Gesprächsleitfaden

ein Gesprächsleitfaden für Eltern und Lehrer

 

Gemeinsam erarbeitet und vorgelegt durch Elternbeirat und Personalrat des Gymnasiums Eckental 1. Juli 2008

 

Dieser Leitfaden soll Eltern und Lehrer ermutigen, bei Problemen frühzeitig das Gespräch miteinander zu suchen und sich
in einer stressfreien Atmosphäre über gemeinsame Ziele und Vorgehensweisen zu verständigen. Gemeinsames Ziel ist es,
auf der Basis der gegenseitigen Anerkennung die Verständigung zwischen Lehrern und Eltern zu verbessern.
“Der Lehrer“ steht im folgenden synonym für “Die Lehrerin oder der Lehrer“.
Gedanken zur Situation der Gesprächspartner:
Die folgenden Ausführungen sollen das Verständnis für die Situation des anderen wecken und somit
zu einer konstruktiven Gesprächsbasis beitragen.
Typische Elternsituation:
sind bemüht um einen erfolgreichen Lebensweg ihrer Kinder,
wollen ihre Kinder gegen möglicherweise ungerechte Behandlung schützen und verteidigen,
haben Zukunftsängste aufgrund des Leistungsdrucks in der Schule,
haben Versagensängste in ihrer Rolle als Erzieher,
fühlen sich u.U. zeitlich, fachlich und finanziell von der Schule überfordert,
erhalten oft nur lückenhafte Information über die Arbeit in der Schule und die langfristigen Konzepte der Lehrkräfte,
empfinden sich häufig in der Rolle eines Hilfslehrers und fühlen sich hierin überfordert und unsicher,
hätten gerne mehr Hilfe von den Lehrern,
sind unsicher, ob sie dem Gespräch mit dem Lehrer gewachsen sein werden,
haben Angst vor möglicherweise für das Kind negativen Folgen des Lehrer-Eltern-Gesprächs,
befürchten, vom Lehrer nicht verstanden zu werden und ihm lästig zu fallen,
reagieren gerade in Konfliktsituationen emotional, wollen ihre Ängste loswerden und sich von der Seele reden.
 Typische Lehrersituation:

Lehrer haben häufig eine andere Sicht auf den einzelnen Schüler, zumal sie objektiv sein müssen
und einen möglichst großen Lernfortschritt der gesamten Gruppe erreichen sollen,

bringen auch eigene – positive wie negative – Erfahrungen durch früheren Elternkontakt mit,

werden oft als “Ausleser“ und “Rausprüfer“ angesehen, die Kindern Bildungschancen verwehren
und somit für Eltern zum Feindbild werden,

haben einen zunehmend anstrengenderen Job – physisch wie psychisch – aufgrund großer Klas-
senstärken, “Problemfällen“, Verwaltungsarbeiten und bildungspolitischen Maßnahmen (Arbeits-
zeitkonto, Mehrarbeit, abgelehnte Teilzeit,. . . ),

werden oft zum “Prügelknaben“ in Bezug auf G8-Belastungen: Lehrer muss umsetzen und ver-
treten, was er manchmal selbst nicht gutheißt und schon gar nicht zu verantworten hat,

zu erbringendes Leisten von Erziehungsarbeit (Höflichkeit, fairer Umgang miteinander, Hilfsbe-
reitschaft etc.) zehrt an Motivation für Unterricht und an Kräften allgemein,

in Zeiten von vielen Schulaufgaben, Tests etc. haben Lehrer viel zu tun und vor allem viele Sprech-
stundenbesuche; sollte ein Lehrer ein Mal keine Zeit haben bzw. unter Zeitdruck stehen, darf das
nicht als generell fehlende Bereitschaft zum Elternkontakt ausgelegt oder gar auf das gesamte
Kollegium übertragen werden,

Vollzeit-Lehrer können ca. 150 bis 250 Schüler haben, so dass es bei einer neuen Klasse etwas Zeit
in Anspruch nehmen kann, bis alle Schüler bekannt sind; Folgeproblem: Wie viel Zeit bleibt für
den einzelnen Schüler (im Vergleich zu der von den Eltern für das eigene Kind aufgewendeten
Zeit!)?
Vorfeld des Gesprächs:
Empfehlungen an die Eltern in der Vorb ereitungsphase:
Bevor Eltern ein möglicherweise schwieriges Gespräch mit dem Lehrer suchen, können folgende vor-
bereitende Maßnahmen ergriffen werden:

eigene Position durchdenken und kritisch überprüfen,

Stellungnahme anderer Eltern, der Klassenelternsprecher oder des Elternbeirats einholen,

Gespräch mit dem Lehrer in Gedanken durchspielen und überlegen, wie die Problematik dem
Lehrer verständlich gemacht werden kann,

Gespräch durch Notizen (Fakten, Fragen,. . . ) vorbereiten,

Gesprächstermin vereinbaren und bereits hierbei Anliegen in Stichworten skizzieren,

falls ein konkreter Vorfall Anlass für das Gespräch mit dem Lehrer ist:
– fraglichen Vorfall mit dem Kind nochmals genau durchsprechen,
– Zeitpunkt, Häufigkeit, Begleitumstände feststellen,
– Mitschüler zum Vorfall befragen.
Gymnasium Eckental:
Miteinander reden, einander verstehen
Ablauf des Gesprächs:
Was sich die Eltern von den Lehrern wünschen:

Bitte reservieren Sie ausreichend Zeit für das Gespräch mit den Eltern.
Lässt sich diese Vorgabe nicht umsetzen (z.B. weil bereits weitere Eltern vor der Tür warten),
richten Sie sich darauf ein, das angeschnittene Thema in einem Folgegespräch weiterzuführen
und machen Sie den Eltern ein entsprechendes Angebot zum organisatorischen Ablauf.

Falls die Initiative zum aktuellen Gespräch von den Eltern ausgegangen ist, hören Sie bitte in der
einleitenden Phase zunächst den Eltern nur zu, um den Anlass für das aktuelle Treffen vollständig
zu erfassen. Zwischenfragen zum besseren Verständnis des Problems machen Sinn. Sie sollten
aber nicht dazu dienen, die Federführung im Gespräch zu übernehmen.

Wenn Sie aus den Schilderungen der Eltern nicht erkennen können, ob überhaupt ein Problem
existiert, dann formulieren Sie bitte diesen Sachverhalt explizit und räumen den Eltern Gelegen-
heit zum Widerspruch ein, um Missverständnisse zu vermeiden.

Sofern sich die Diskussion um eine Konfliktsituation in der Vergangenheit dreht, die beide Seiten
unterschiedlich beurteilen, bemühen Sie sich bitte, Ihr eigenes Verhalten in der fraglichen Situati-
on transparent zu machen.
Sollten Sie Letzteres inzwischen selbst kritisch sehen, dann teilen Sie dies den Eltern mit.

Wenn Sie eine Konfliktsituation völlig anders in Erinnerung haben, als die Eltern sie Ihnen schil-
dern, sollten Sie nicht das Kind wegen dessen abweichender Darstellung kritisieren, sondern sich
zunächst gemeinsam mit den Eltern auf die Klärung des Sachverhalts konzentrieren.
Bitte lassen Sie keinerlei Befürchtung aufkommen, dass das Kind wegen einer möglicherweise
nicht sachgerechten Schilderung gegenüber den eigenen Eltern später vor Mitschülern zur Rede
gestellt werden könnte.

Wenn Sie aus den Äußerungen der Eltern eine Kritik am eigenen Verhalten oder Unterrichtsstil
herauslesen, dann weisen Sie diese bitte nicht umgehend zurück, sondern sagen ein Anerkennen
der Problematik oder Überdenken (naturgemäß mit offenem Ergebnis) zu.

Sofern sich die Diskussion um Notengebung dreht, sollten Sie alle relevanten Noten des Kindes
bereithalten. Bitte lesen Sie die Noten aber nicht einfach nur vom Blatt ab, sondern legen Sie sie
den Eltern vor und geben ihnen, wenn gewünscht, nähere Erläuterungen zu den Einzelnoten.

Bitte vermeiden Sie im Gespräch Allgemeinplätze wie z.B.: “So sind nun einmal die Anforderun-
gen am Gymnasium.“, sondern suchen Sie ganz konkret und individuell bezogen auf das einzelne
Kind nach Lösungs- oder Verbesserungsmöglichkeiten.

Wenn Sie Vorschläge haben betreffend die zukünftige Arbeits- und Aufgabenteilung zwischen
Elternhaus und Schule, dann formulieren Sie diese explizit und bitte nicht “durch die Blume“.
Bewerten Sie im Konsens mit den Eltern, ob diese Vorschläge umsetzbar sind.
Was sich die Lehrer von den Eltern wünschen:

Bitte vermeiden Sie jegliche Voreingenommenheit, z.B. aufgrund vergangener Erfahrungen, auf-
grund emotionaler Berichterstattung des betroffenen Kindes oder wegen Klatsch und Tratsch
über den jeweiligen Lehrer bei anderen Eltern und schimpfen Sie bitte nicht vor Ihrem Kind über
Lehrer.

Bitte gehen Sie nicht davon aus, dass die Lehrer gegen Sie oder gegen Ihr Kind arbeiten!
Manchmal werden daheim leider nur negative Erfahrungen mit der jeweiligen Lehrkraft berich-
tet, die positiven Erfahrungen bzw. Unterstützungsangebote etc. sind vielleicht nicht so inter-
essant oder werden nicht so leicht gesehen. Sehen Sie bitte auch ganz bewusst das Engagement
Gymnasium Eckental:
Miteinander reden, einander verstehen
des Kollegiums in unterschiedlichsten Bereichen und bedenken Sie, dass ein Vollzeitlehrer min-
destens 150 Schüler hat, bei Nebenfächern um einige mehr, um die er sich nicht alle gleich intensiv
kümmern kann.

Bitte übertragen Sie das oft negative Bild des Lehrers in der Öffentlichkeit nicht ungeprüft auf
das gesamte Kollegium. Sehen Sie stattdessen die jeweilige Persönlichkeit und erkennen Sie de-
ren Wahl dieses Berufs und die individuelle Art der Ausübung an. Wie an jedem Ort, wo Men-
schen zusammenarbeiten, gibt es auch in der Schule welche, mit denen man (= Eltern / Schüler
/ Lehrer) sich besser, und andere, mit denen man (= Eltern / Schüler / Lehrer) sich weniger gut
versteht. . .

Sollte zwischen Ihnen und einem Lehrer eine Meinungsverschiedenheit vorliegen, z.B. wegen
schlechter Leistungen ihres Kindes, sehen Sie bitte die “zwei Wahrheiten“, also die Interessens-
seiten Lehrer – Eltern. Abgesunkene oder schlechte Leistungen können viele Gründe haben, beide
Seiten sollten sich sachlich und respektvoll auf die Suche nach Ursachen machen.

Bitte legen Sie, falls vorhanden, Ihre Scheu bezüglich familiärer Probleme ab und sprechen Sie
diese vertrauensvoll an, da sie möglicherweise Verhaltensauffälligkeiten oder Leistungsschwan-
kungen ihres Kindes erklären und unangenehme Erfahrungen für das Kind (häufiges Nachfragen
seitens des Lehrers etc.) so ausbleiben könnten.
Befürchten Sie nicht, dass Lehrer Vertraulichkeiten gedankenlos weitergeben, denn Lehrer unter-
liegen der Verschwiegenheitspflicht!

Bitte widerstehen Sie der Versuchung, möglicherweise aus einer augenblicklichen Verärgerung
heraus, sofort eine “außerschulische“ Kontrolle, beispielsweise durch Kollegen an anderen Gym-
nasien zu veranlassen.
Stattdessen wäre es angebracht, zuvor mit dem betreffenden Lehrer zu sprechen, vor allem wenn
Sie mit dem Wunsch einer Notenänderung an ihn herantreten.
Erscheint Ihnen ein Gespräch mit dem Lehrer – warum auch immer – unangenehm oder nicht
zielführend, wenden Sie sich bitte gegebenenfalls an den Fachbetreuer, der die zweite Anlaufstelle
sein sollte bzw. der ein Lehrer-Eltern-Gespräch moderieren kann.

Bitte geben Sie den Lehrern direkte und rasche Rückmeldungen, damit diese dann effizient und
professionell reagieren können, wenn irgendwelche Probleme auftreten sollten, die die Lehrer-
Schüler-Beziehung betrifft.
Abschluss des Gesprächs:
Gemeinsame Formulierung – mündlich oder schriftlich – der Ziele des Gesprächs, einer Einschätzung
des Erreichten sowie der Beschlüsse zum weiteren Vorgehen (z.B. Ansatz weiterer Gesprächstermine)
Vorschläge zum weiteren Vorgehen nach dem Gespräch:
Führt das Gespräch zu keiner Übereinstimmung oder gemeinsamen Zielsetzung:

Klassenelternsprecher oder Elternbeirat informieren und Einschätzung erfragen,

bei Bedarf oder Wunsch Problem mit Fachbetreuer besprechen,

Klassenleiter oder Schulleitung um Gespräch bitten.
Gymnasium Eckental:
Miteinander reden, einander verstehen