
Wurde Cäsar tatsächlich an den Iden des März 44 v. Chr. ermordet? Oder lebt er nicht immer noch munter bei den Göttern auf dem Olymp, wo er mit Jupiter persönlich Schafkopf spielt? So zumindest begann das Gedankenexperiment von Björn Puscha, der am 12.2. in der Aula des Gymnasiums zunächst vor allen 5. Klassen auftrat, sich danach mit einem leicht veränderten Programm an die etwas älteren Lateinschülerinnen und Lateinschüler der Jahrgangsstufen 10 – 13 wandte. Mit einem schelmischen Augenzwinkern bot der Kabarettist aus Oberbayern dem Publikum auf humorvolle Weise einen Einblick in den Alltag eines Römers zur Zeit der römischen Republik. Hierzu trat er, waschecht gekleidet in eine römische Toga, vor die Schülerinnen und Schüler, die aus seinen Worten erfuhren, unter welch unangenehmen Verhältnissen damals die Menschen in einer „insula“, dem mehrgeschossigen Haus lebten, in denen es teilweise bestialisch stank, da man für das Gerben von Leder den Urin der Hausbewohner innerhalb des Gebäudes sammelte. Und welche Gefahren es mit sich brachte, dass eben diese Hochhäuser dicht nebeneinanderstanden, im Wesentlichen aus Holz gebaut waren und angesichts des Kochens mit offenem Feuer leicht in Brand gerieten, wurde ebenfalls schnell deutlich. Wenn es Björn Puscha auch nicht gelang, den Mord an Cäsar zu vereiteln, so nahm er doch dessen berühmt-berüchtigten Mörder, Gaius Iunius Brutus, unter die Lupe. Denn er erläuterte an dieser Persönlichkeit einerseits die typische dreigliedrige Namensgebung der Römer, verriet zugleich, dass das Cognomen „Brutus“ nicht nur aufgrund des Mordes in der römischen Republik an Gefallen verlor, sondern vielleicht auch deshalb, weil es die Bedeutung von „dumm“ hatte. So war der Mörder Cäsars also ein „Depp“ – wie Puscha resümierte. Um so merkwürdiger mutet es an, wenn das Cognomen „Cäsar“, das ursprünglich aus dem Phönizischen stammend Elefant bedeutete, von zahlreichen Herrschern als Titel übernommen wurde.

Wurden wir also in Europa über mehrere Jahrhunderte von Elefanten regiert? Neben diesen kulturhistorischen Aspekten widmete sich der Kabarettist aber auch der lateinischen Sprache und bewirkte bei so mancher Schülerin oder manchem Schüler der 5. Jahrgangsstufe ein Aha-Erlebnis, indem er sie Wörter wie „villa“ oder „fenestra“ in ihrer Bedeutung erraten ließ, die als Fremd- bzw. Lehnwörter im Deutschen weiterleben. Mit Anekdoten aus seiner Kindheit schließlich, dass er als 10-Jähriger durch die Entscheidung für ein Gymnasium, in das mehr Mädchen übertraten als Jungs, eher unfreiwillig mit Latein ab der 5. Klasse in einem humanistischen Gymnasium konfrontiert worden war, aber durch die seinem Cousin erfolgreich erteilte Lateinnachhilfe immer mehr sein Interesse an der lingua Latina entdeckte, sprach er so mancher Person in der Aula vielleicht auch Mut zu, Latein als zweite Fremdsprache (wieder) zu entdecken. Für diese Wiederentdeckung könnte auch der Impuls an die „Großen“ gesorgt haben, sich an ihren ersten lateinischen Satz zu erinnern und diesen dem Publikum mitzuteilen. Bestimmt traten da bei der einen oder dem anderen Bilder aus dem Lateinbuch der 6. Klasse vor das geistige Auge.
A. Binapfl
